Bertolt Brecht - Leben des Galilei
Im Leistungskurs Deutsch durften wir ein eigenes Bild, nach Vorbild des epischen Dramas von Brecht, kreiren. Dieses selbst erschaffene Bild sollte in die vorgegebene Handlung passen.
20. Juni 1633
Reiche und Gelehrte treffen sich auf einem Maskenball um Cosmo de Medicis Geburtstag.
Gaelilei ein großer Wissenschaftler dieser Zeit
sein Ruf eilt ihn vorraus recht weit.
Skandale über seine Taten häufen sich,
nur die Vernunft sieht sein Blick ins Licht.
Kleiner Mönch: Ich hörte sie seien ein Befürworter Galileis.
Astronom: Ja, er ist der größte Wissenschaftler unserer Zeit. Er vermittelt uns neues Wissen, denn seine bahnbrechenden Entdeckungen veränderten die Denkweise dieser Zeit.
Kleiner Mönch: Er ist ein Sohn Gottes und ein Genie schlechthin.
Astronom: In den Folterkerkern der Inquisition gefangen, bangt er um sein Dasein.
Kleiner Mönch: Nun steht die Frage offen: Widerruf oder Tod?
Astronom: Würde er widerrufen, würde er die Wissenschaft verrraten, wähle er den Tod, würde der Anstoß zum neuen Denken im 17. Jh. zerstört werden. Es liegt in seiner Hand.
Kleiner Mönch: Gott ist immer bei uns und wird entscheiden.
Astronom: Für welches Schicksal er sich entscheiden möge, ein Genie der Wissenschaft ist er trotz alledem.
[...]
Beichtvater: Wir Söhne Gottes sind hier falsch am Platz, wo um uns herum nur Luxus und Pracht das Leben dieser Philister bestimmen. Wie denken Sie darüber, Bruder?
Kleiner Mönch: Lieber Christophorus, bitte regen Sie sich nicht auf. Denken Sie an ihren Blutdruck. Der Herr gibt uns die Kraft, die Dinge hinzuehmen, die wir nicht ändern können.
Beichtvater: Aber sagen Sie, Bruder, nirgendwo sonst wird die Bibel noch so geschätzt wie in unseren Kreisen. Ist das nicht entsetzlich, dass unsere Weltenlehre so missbraucht wird?
Kleiner Mönch: Vertrauen Sie auf Gott. Was ist mit denen, die gesehen haben und doch glauben?
Beichtvater: Ach papperlapapp. Solche Leute gibt es nicht. Nachdem diese Galilei alles umgeworfen hat, glaubt doch jeder Bocksbeutel an diesen Schwachsinn mit der Sonne in der Mitte. Herr, stärke uns den Glauben!
Kleiner Möch: Seine Hypothese ist nur für deren Glauben umstößlich, deren Glaube mit Heidentum bespickt ist. "Die Wahrheit wird euch frei machen".
Beichtvater: Hier scheinen doch alle heidnischer Natur zu sein, die Kollekte wird schon seit Wochen leichter. Obwohl dieser Pharisäer Galilei widerrufen hat, verbreiten sich seine Hirngespinste immer weiter.
Kleiner Mönch: Seien sie vernünftig. Glaube, nicht Geld, ist die Stütze der Kirche. Sind sie ein Mann der Physik und Mathematik, wie ich es behaupten könnte? Mit eigenen Augen blickte ich in sein Dekret und was ich sah ...
Beichtvater: Schund, gotteslästerliches lasen Sie. Auch Sie hat es getroffen.
Kleiner Mönch: Wer die Wahrheit weiß und vorgibt sie sei eine Lüge, ist ein Narr. Galilei nimmt als einziger die Bürde auf sich und Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Beichtvater: Nein! Nein! Nein! Sein irrsinniges Wein von Tochter plapperte munter vor sich und was ich erfuhr, war von ketzerischer Natur. Der Ketzer und Trottel der Stadt wird dafür büßen. Ich bete, dass er im Fegefeuer vergehen wird und, dass die Flammen ihn bis zur Ewigkeit verdammen.
Kleiner Möch: Sie schworen in Gottesangesicht den Eid der Diskretion gegenüber ihren Beichtenden. Wie können Sie ohne schlechtes Gewissen in den Schlaf sinken?
Beichtvater: Das sagen gerade Sie, die die unheilige Schrift mit eigenen Augen gelesen und wahrscheinlich den Glauben an den Klerus verloren haben.
Kleiner Möch: Der wahre Glauben ist unumstürzlich. Die Wahrheit wird durchrinnen, wenn Gott es so will. Schließen Sie nur ihre Augen, wenn Gott Zeichen an uns sendet. Der wahre Glaube wird nie angezweifelt, egal welche Stimme sich gegen sie erhellt und was behauptet wird. Die Menschen werden zu sich selbst finden, wenn sie nicht zum Glauben gezwungen werden. Wenn Christus auch gekreuigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes.
Beichtvater: Was ihm nicht nutzte, denn am Ende fuhr er doch zum Himmel.
20. Juni 1633
Reiche und Gelehrte treffen sich auf einem Maskenball um Cosmo de Medicis Geburtstag.
Gaelilei ein großer Wissenschaftler dieser Zeit
sein Ruf eilt ihn vorraus recht weit.
Skandale über seine Taten häufen sich,
nur die Vernunft sieht sein Blick ins Licht.
Kleiner Mönch: Ich hörte sie seien ein Befürworter Galileis.
Astronom: Ja, er ist der größte Wissenschaftler unserer Zeit. Er vermittelt uns neues Wissen, denn seine bahnbrechenden Entdeckungen veränderten die Denkweise dieser Zeit.
Kleiner Mönch: Er ist ein Sohn Gottes und ein Genie schlechthin.
Astronom: In den Folterkerkern der Inquisition gefangen, bangt er um sein Dasein.
Kleiner Mönch: Nun steht die Frage offen: Widerruf oder Tod?
Astronom: Würde er widerrufen, würde er die Wissenschaft verrraten, wähle er den Tod, würde der Anstoß zum neuen Denken im 17. Jh. zerstört werden. Es liegt in seiner Hand.
Kleiner Mönch: Gott ist immer bei uns und wird entscheiden.
Astronom: Für welches Schicksal er sich entscheiden möge, ein Genie der Wissenschaft ist er trotz alledem.
[...]
Beichtvater: Wir Söhne Gottes sind hier falsch am Platz, wo um uns herum nur Luxus und Pracht das Leben dieser Philister bestimmen. Wie denken Sie darüber, Bruder?
Kleiner Mönch: Lieber Christophorus, bitte regen Sie sich nicht auf. Denken Sie an ihren Blutdruck. Der Herr gibt uns die Kraft, die Dinge hinzuehmen, die wir nicht ändern können.
Beichtvater: Aber sagen Sie, Bruder, nirgendwo sonst wird die Bibel noch so geschätzt wie in unseren Kreisen. Ist das nicht entsetzlich, dass unsere Weltenlehre so missbraucht wird?
Kleiner Mönch: Vertrauen Sie auf Gott. Was ist mit denen, die gesehen haben und doch glauben?
Beichtvater: Ach papperlapapp. Solche Leute gibt es nicht. Nachdem diese Galilei alles umgeworfen hat, glaubt doch jeder Bocksbeutel an diesen Schwachsinn mit der Sonne in der Mitte. Herr, stärke uns den Glauben!
Kleiner Möch: Seine Hypothese ist nur für deren Glauben umstößlich, deren Glaube mit Heidentum bespickt ist. "Die Wahrheit wird euch frei machen".
Beichtvater: Hier scheinen doch alle heidnischer Natur zu sein, die Kollekte wird schon seit Wochen leichter. Obwohl dieser Pharisäer Galilei widerrufen hat, verbreiten sich seine Hirngespinste immer weiter.
Kleiner Mönch: Seien sie vernünftig. Glaube, nicht Geld, ist die Stütze der Kirche. Sind sie ein Mann der Physik und Mathematik, wie ich es behaupten könnte? Mit eigenen Augen blickte ich in sein Dekret und was ich sah ...
Beichtvater: Schund, gotteslästerliches lasen Sie. Auch Sie hat es getroffen.
Kleiner Mönch: Wer die Wahrheit weiß und vorgibt sie sei eine Lüge, ist ein Narr. Galilei nimmt als einziger die Bürde auf sich und Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Beichtvater: Nein! Nein! Nein! Sein irrsinniges Wein von Tochter plapperte munter vor sich und was ich erfuhr, war von ketzerischer Natur. Der Ketzer und Trottel der Stadt wird dafür büßen. Ich bete, dass er im Fegefeuer vergehen wird und, dass die Flammen ihn bis zur Ewigkeit verdammen.
Kleiner Möch: Sie schworen in Gottesangesicht den Eid der Diskretion gegenüber ihren Beichtenden. Wie können Sie ohne schlechtes Gewissen in den Schlaf sinken?
Beichtvater: Das sagen gerade Sie, die die unheilige Schrift mit eigenen Augen gelesen und wahrscheinlich den Glauben an den Klerus verloren haben.
Kleiner Möch: Der wahre Glauben ist unumstürzlich. Die Wahrheit wird durchrinnen, wenn Gott es so will. Schließen Sie nur ihre Augen, wenn Gott Zeichen an uns sendet. Der wahre Glaube wird nie angezweifelt, egal welche Stimme sich gegen sie erhellt und was behauptet wird. Die Menschen werden zu sich selbst finden, wenn sie nicht zum Glauben gezwungen werden. Wenn Christus auch gekreuigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes.
Beichtvater: Was ihm nicht nutzte, denn am Ende fuhr er doch zum Himmel.
wolkenraterin - 16. Jun, 13:38